3 mal 3 Meter – lebenslang

Der türkische Romanautor und Journalist Ahmet Altan wurde am 16. Februar 2018 von einem Gericht in Istanbul zu lebenslanger Haft verurteilt, gemeinsam mit fünf anderen Journalisten. Es war der gleiche Tag, an dem sich Menschen in aller Welt über die Freilassung von Deniz Yücel freuten. Ein Tag mit einem Lichtstrahl und sehr viel Schatten.

Ich werde die Welt nie wieder sehen. Ich werde den Himmel nie wieder ohne den Rahmen sehen, den die Wände des Gefängnishofs bilden.
AHMET ALTAN in der New York Times

In seiner Arbeit beschäftigt sich Altan mit den größten Tabus der Türkei, wie dem Völkermord an den Armeniern und der Diskriminierung der Kurden. Nach dem Putschversuch wurde seine Zeitung »Taraf« per Regierungsdekret verboten, er und sein Bruder Mehmet Altan wurden festgenommen.

Ahmet Altan wird vorgeworfen, Staatspräsident Erdogan beleidigt zu haben und im Fernsehen »unterschwellige Botschaften« über den bevorstehenden Putschversuch verbreitet zu haben. Das türkische Verfassungsgericht hatte im Januar seine Freilassung angeordnet, doch das Istanbuler Gericht kassierte den Beschluss.

Ich erlebe selbst, was ich zuvor in einem Roman beschrieben habe.
AHMET ALTAN in der New York Times

Die New York Times veröffentlichte kürzlich einen Text von Ahmet Altan, den er im Gefängnis geschrieben hat. Darin beschreibt Altan die unendlich langen Minuten vor der Urteilsverkündung – den Moment in dem sich sein Schicksal entschied – und zieht eine tiefschwarze Parallele zu seinem Roman »Wie eine Schwertwunde«, der vor zwei Jahrzehnten erschien. Er beschreibt darin eine Urteilsverkündung im Osmanischen Reich, die sich in seinem eigenen Schicksal auf brutale Weise zu wiederholen scheint.

In seinem Text spricht Altan davon, wie es sich anfühlt, den Rest seines Lebens auf drei mal drei Metern zu verbringen, in Einzelhaft. Ein aufrüttelndes und sehr bedrückendes Dokument.

Über Istanbul und der Türkei hängen tiefschwarze Wolken.