Dann schlaf auch du

Café in Paris
Myriam und Paul vermissen die frühere Leichtigkeit

Myriam und Paul Massé wollen das perfekte Paar sein, Kinder und Beruf unter einen Hut bringen, alles irgendwie richtig machen. Und sie finden Louise, die ideale Nanny, die ihnen all dies ermöglicht.

Louise ist eine Kinderfrau wie aus dem Bilderbuch. In der Altbauwohnung im zehnten Arrondissement hält sie die Familie zusammen, kümmert sich liebevoll um die Kinder, kocht für Groß und Klein.

Die Kleinen hängen an tagsüber Louises Lippen, die gestressten Eltern genießen abends Louises Umsicht. Innerhalb weniger Wochen wird die Nanny unentbehrlich. Da scheint es nur natürlich, dass Louise die Massés auch in den Urlaub begleitet. Auf Sifnos verbringt man gemeinsam herrliche Ferien.

Sifnos, Kirche
Auf Sifnos verlebt die Familie glückliche Ferien

Zurück in Paris startet Myriam als Anwältin durch und steht kurz davor, Partnerin in der Kanzlei zu werden. Paul verbringt Tage und Nächte im Tonstudio, pfeift auf die Launen drittklassiger Bands und realisiert endlich eigene Projekte.

Doch das Paar ahnt nichts von den Abgründen und der Verletzlichkeit jener Frau, der sie das Kostbarste anvertrauen, das sie besitzen …

Die Sorgen der dienstbaren Geister

Der Roman beginnt mit einem Paukenschlag, der einen beinahe umhaut. Etwas Ungeheuerliches hat sich in der Wohnung der Massés zugetragen und jetzt will man wissen, wie es dazu kommen konnte. Ein Cliffhanger par excellence, gespannt eilt man bis zur letzten Seite.

Paris Boulevard
Myriam kehrt zurück in die Welt der Berufstätigen

Dazwischen beschreibt Leïla Slimani den normalen Großstadtwahnsinn eines jungen, ambitionierten Paares, desssen Ehe- und Berufsleben durch die Kinder aus dem Tritt kommt.

Soeben noch Wunschkinder, scheinen Mila und Adam plötzlich der Klotz zu sein, der die junge Mutter an die Wohnung fesselt und nach ihrem eigenen Empfinden zur Bedeutungslosigkeit verdammt. Durch die Hilfe der Nanny wird für Myriam alles wie früher, nur besser: ein herausfordernder Job, ein liebenswerter Ehemann und zwei entzückende Kinder.

In einem zweiten Erzählstrang lernt man Louise besser kennen. Man betritt ihre erbärmliche Wohnung und fühlt ihren Mangel an allem, was der Leben leicht und unbeschwert macht: Liebe, Zuneigung, Geld, Erholung, tägliche Freuden und Zukunftsperspektiven.

Metroschild
Die Metro befördert Louise täglich in eine andere Welt

Louises Welt ist anders als die der Massés, es ist ein Universum prekärer Verhältnisse, in dem nur der Rücksichtslose gewinnt. Mit makellosen Benehmen und gepflegten Auftreten versucht Louise dem zu entfliehen, ihr Durst nach nach Anerkennung und Stabilität ist grenzenlos.

Leïla Slimani hat den alten Stoff der bösen Kinderfrau auf moderne Weise variiert. Ihre Erzählstimme bleibt stets hautnah dran, an Louise ebenso wie an Myriam. Die beiden Hauptfiguren gewinnen im Laufe des Romans immer mehr Ecken und Kanten und lösen sich von vertrauten Klischees.

Neben spannender Unterhaltung liefert das Buch auch eine ordentliche Portion Gesellschaftskritik. In Frankreich wurde das Werk mit dem renommierten Prix Goncourt ausgezeichnet und entwickelte sich schnell zu einem Bestseller.

Intelligent konstruiert und packend erzählt – ein verstörender Blick hinter die Fassaden unserer Großstädte.

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