Das Licht

BuchcoverCambridge, 1962. Professor Timothy Leary erregt Aufsehen in Harvard. Der Psychologe experimentiert mit psychedelischen Drogen, mit Meskalin, Psilocybin und dem vielfach stärkeren LSD.

Leary erhofft sich Erkenntnisse über das menschliche Bewusstsein, will Grenzen sprengen und Prägungen aufbrechen. Auf seinen Partys verteilt er Drogen wie Bonbons und studiert das Erleben auf einem psychedelischem Trip. Leary ist sexy, skandalös und sorgt weltweit für Gesprächsstoff.

Der junge Familienvater Fitz, Learys wissenschaftlicher Assistent, brennt darauf, endlich auf eine der LSD-Parties eingeladen zu werden. Als es soweit ist, endet der erste Trip für ihn und seine Frau Joanie in rauschhaften Sex. Danach wollen beide mehr. In kürzester Zeit gehören Joanie und Fitz zu Learys innerstem Kreis.

Zihuatenejo
Zihuatenejo wird zu Learys Sommerparadies

Doch in Cambridge wird es der Gruppe bald zu eng. Leary mietet über den Sommer das Catalina Hotel in Mexiko. Am Strand von Zihuatanejo plätschern die Tage träge dahin und die Nächte verströmen den Dunst von Tequila, Drogen und freier Liebe.

Zurück in den USA wird der LSD-Professor gefeuert. Leary zieht mit seiner Kommune in das Hitchcock Anwesen in Millbrook, einen feudalen Landsitz mit Platz für psychedelische Experimente, bewusstseinserweiternde Seminare und Liebe jenseits aller Konventionen.

Fitz, Joanie und ihr Sohn Corey werden Teil eines großen Experiments …

Das Anwesen versifft, der Antrieb erlahmt

Harvard, Cambridge
In Harvard experimentiert Timothy Leary mit LSD

Nach »Grün ist die Hoffung« und »Drop City« entführt uns Boyle wieder in eine drogengeschwängerte Welt, voller Love & Peace – und aberwitziger Abgründe.

Seine Hauptfigur, LSD-Guru Timothy Leary schart in Harvard eine Gruppe ergebener Assistenten und Jünger um sich. Man feiert gemeinsam, wirft Trips ein, betrinkt sich, genießt den Sex und das Leben. Doch nach den paradisischen Sommern in Mexiko wendet sich das Blatt. Die Kommune zieht nach Millbrook und überschreitet dort bald ihren Zenit.

Das Anwesen versifft, der Antrieb erlahmt, das Geld wird ebenso knapp wie das nun illegale LSD. Zahlende Gäste wollen versorgt werden, bringen lästige Pflichten und den Kommerz nach Millbrook. Spießige Besitzansprüche torpedieren die freie Liebe und manchem vernebelt die Droge auf Dauer das Hirn.

Timothy Leary – Fotos / Rede an der UCLA 1967

»Das Licht« entführt uns in die die schillernde Welt von Timothy Learys Drogen-Paradies, einen lässigen und freien Kosmos, bevölkert von leicht apathischen Figuren, die hoffnungsvoll auf ein glorreiche Zukunft warten. Aber natürlich ist es ein Boyle – und deshalb auch ein abgründiger Roman, der eine stinknormale Kleinfamilie in das Reich der Obsessionen katapultiert.

Es ist einfach wunderbar, wenn ein Autor weiß, worüber er spricht. T.C. Boyle kennt die Sixties aus eigenem Erleben, er war ein Hippie, kennt den Drogenrausch, die Alkoholsucht und weiß, wie sich ein Trip anfühlt. Aber vor allem gelingt es ihm wie kaum einem anderen, über diese Zeit zu schreiben.

Und so wird »Das Licht« zu einer von Boyles furiosen Reisen in die Vergangenheit, die sich eng an historischen Fakten entlang hangelt. Ein packender, sinnlicher Roman, bei dem man bedauert, der er viel zu schnell zu Ende ist.

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T.C. Boyle Dirk GunsterenDas Licht Hanser 2019
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