In den Häusern der Barbaren

BuchcoverScott Torres lebt in Kalifornien den amerikanischen Traum. Er ist Vizedirektor einer Softwarefirma und bewohnt mit Ehefrau Maureen und den drei Kindern ein großzügiges Anwesen in Laguna Beach.

Maureen Torres-Thompson kümmert sich um Dekoratives, die gesellschaftlichen Verpflichtungen und die Organisation des Haushalts. Diese Herausforderung bewältigt sie mit der Hilfe von drei Latinos, die als Kindermädchen, Haushälterin und Gärtner für die Familie arbeiten.

Die Angestellten Pepe, Guadalupe und Araceli halten sich ohne Genehmigung im Land auf, aber die liberal eingestellte Familie Thompson schätzt die fleißigen Arbeiter. Pepe pflegt den großzügigen Tropengarten, Guadelupe kümmert sich um die Kinder und Araceli kocht vorzüglich und hält den den Haushalt in Schuss.

Die Haushälterin bewohnt ein kleines Zimmer im Gästehaus des Anwesens und hat zweimal im Monat ein freies Wochenende. Dann trifft sie sich mit ihrer Freundin Marisela, geht tanzen und lebt für kurze Zeit das beinahe unbeschwerte Leben einer jungen Frau.

Wüstengarten
Maureen lässt sich einen Wüstengarten anlegen

Als Scotts Geschäfte schlechter laufen, versucht die Familie die laufenden Kosten zu senken. Oberste Prämisse: den Lebensstandard zu halten und den Schein zu wahren. Der Familienvater übernimmt den Garten und Maureen will sich fortan mehr um die Kinder kümmern. Pepe und Guadelupe werden entlassen und die Thompsons wähnen sich auf dem richtigen Weg.

Doch bald zeigt sich, dass Scott und Maureen mit den häuslichen Aufgaben völlig überfordert sind. Scott, der unfähig ist einen Rasenmäher zu bedienen, scheitert an der Instandhaltung des Gartens. Als die Nachbarn tuscheln, beschließt Maureen den unersättlichen Tropengarten durch eine genügsame Wüstenbepflanzung zu ersetzen. Kurzerhand beauftragt sie eine kostspielige Umgestaltung mit ausgewachsenen Kakteen. Für die Kinderbetreuung hat sie keine Zeit, so dass Araceli zusätzlich auch noch Guadelupes Aufgaben übernimmt.

Los Angeles
Araceli wagt den gefährlichen Weg nach Los Angeles

Die Spannungen im Hause Thompson wachsen und nach einem ausgewachsenen Streit mit Scott verlässt Maureen mit der fünfzehn Monate alten Tochter Samantha das Haus. Sie zieht sich schmollend in ein Hotel zurück und wartet auf Scotts Büßergang. Scott hingegen flüchtet übers Wochenende ins Büro und übernachtet bei einer Kollegin. Araceli, die im Gästehaus nichts von den Vorfällen mitbekommen hat, bleibt allein mit den acht- und elfjährigen Söhnen auf dem Anwesen zurück. Als sie ihre Arbeitgeber nicht erreichen kann und vergeblich auf deren Rückkehr wartet, nimmt sie die Dinge in die Hand.

Mit dem Bus bricht sie nach Los Angeles auf, um die Kinder in die Obhut des unbekannt verzogenen Großvaters der Jungen zu geben. Für Araceli beginnt als Illegale eine ebenso irrwitzige wie gefährliche Odyssee durch Los Angeles, die sie den Jungen als ein großes Abenteuer verkauft.

Blick hinter die Tore einer »gated community«

Gedankenlosigkeit, Ich-Bezogenheit und herablassende Attitüden … Pulitzerpreisträger Héctor Tobar beschreibt in diesem Roman mit viel Humor und Realitätsnähe die sorgsam separierten Parallelwelten der amerikanischen weißen Oberschicht und ihrer oft illegalen Bediensteten.

Als Leserin wirf man einen Blick hinter die verriegelten Tore einer gated community, streift mit der Protoganistin durch Los Angeles und lernt eine junge Frau mit Sehnsüchten und Träumen kennen, die mit Intelligenz und Tatkraft ihr Leben zu meistern versucht.

Gute Unterhaltung, die das Thema Arbeitsimmigration mit einem spannenden Plot und einer feinen Prise Sarkasmus verbindet.

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Héctor Tobar Ingo HerzkeIn den Häusern der Barbaren Piper 2012
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