Nichts als Gespenster

Fünf Länder, fünf Geschichten. Freundschaften, die an einem Wendepunkt stehen. Liebende, die sich finden oder verlassen. Einsame, die sich unter Menschenmassen verlieren.

Szenenbild - Nichts als Gespenster
Ellen fotografiert für die Freunde daheim/ © Universum

Im Mittelpunkt dieses Films stehen junge Menschen um die dreißig, die an sehr verschiedene Orte reisen. Sie besuchen die beste Freundin, einen ehemaligen Geliebten, sie treffen alte Freunde und lernen Fremde kennen.

Ellen (Maria Simon) und Felix (August Diehl) durchqueren die USA, von Ost nach West. Felix zieht sich in ein Schneckenhaus zurück, während Ellen mühelos auf Fremde zugeht. Ihre Beziehung scheint am Ende, als sie der Wüste Nevadas in einem trostlosen Motel stranden.

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Für Christine ist der Hurrikan ein Nervenkitzel / © Universum

Auf Jamaika besucht Christine (Brigitte Hobmeier) gemeinsam mit ihrer Freundin Nora (Jessica Schwarz) deren Ex-Freund Kaspar. Ein Hurrikan zieht herauf und die Einheimischen versuchen ihr Hab und Gut zu sichern. Während Kaspar Nora zurückzugewinnen sucht, spielt Christine mit dem Feuer und lässt sich auf eine Affäre ein.

In Venedig reist Marion (Fritzi Haberland) ihren Eltern hinterher. Sie möchte ihren Geburtstag mit geliebten Menschen feiern, aber die Eltern benutzen sie als Projektionsfläche ihrer ureigenen Bedürfnisse. Marion fühlt sich mutterseelenallein in der vor Menschen überquellenden Stadt.

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Marion verliert sich in den Touristenströmen / © Universum

Irene (Ina Weisse) hat Liebeskummer und reist mit ihrem besten Freund Jonas (Wotan Wilke Möhring) nach Island. Dort besuchen sie Jonina und Magnus, die in einem einsamen Haus am Meer leben. Als es zwischen Jonas und Jonina zu knistern beginnt, entdeckt Irene neue Gefühle für ihren altvertrauten Freund.

Caro (Karina Plachetka) besucht ihre Freundin Ruth (Chiara Schoras) in Leipzig, mit sie lange Zeit ihre Wohnung in Berlin geteilt hat. Sie verliebt sich in Ruths neuen Freund Raoul (Stipe Erceg), der unverblümt Caros Begehren erwidert. Dennoch gibt Caro ihrer Freundin ein Versprechen …

Reisende zwischen Nähe und Distanz

Der Film bietet visuell weitaus mehr als der blasse Titel vermuten lässt. Schweflige Farben bestimmen die Szenen in Jamaika, welche ihre schwül dampfende Atmosphäre geradewegs auszuatmen scheinen. Über Leipzig und Berlin liegt eine bleierne Melancholie.

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Ellen und Felix haben nichts mehr gemeinsam / © Universum

In Island sieht man sprudelnde Geysire und spröde Natur, welche dem quirligen Jonas und der unnahbaren Irene entsprechen. Ellen und Felix begleitet man durch die Wüste von Nevada, rot glühende Landschaftsaufnahmen wechseln mit Straßenszenen unendlicher Tristesse.

Die Erzählungen von Judith Hermann wurden im Film kunstvoll miteinander verflochten. Fein gezeichnete Charaktere agieren glaubhaft in Situationen zwischen Nähe und Distanz, für die Regisseur Martin Gypkens betörende Bilder fand. Das Schauspielensemble vereint etliche Stars des deutschen Films, von denen einige bei den Dreharbeiten noch am Anfang ihrer Karriere standen.

Niemand trug einen gelben Bikini je schöner als Brigitte Hobmeier, die der Figur der Christine eine abgebrühte Laszivität verleiht. Und kaum ein Film hat das Reisen je besser in Szene in gesetzt.

Ein zeitloses Meisterstück – unbedingt anschauen!

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