Quasikristalle

Quasikristalle, BuchcoverXane Molin ist intelligent, hübsch und bei ihren Mitmenschen beliebt. Sie kann sich schnell für etwas begeistern und verfolgt ihre Ziele mit hartnäckiger Inbrunst.

Als Schülerin spannt sie der gutmütigen Claudia deren beste Freundin Judith aus. Die Mädchen verbünden sich gegen die unbeholfene Kameradin und schleppen sie bald nur noch als dienstbaren Satelliten mit. In der Oberschule verlieren sich die Freundinnen aus den Augen. Xane studiert und nach ihrem Abschluss steigt sie in das Filmgeschäft ein. Ihre Arbeiten werden für ihre Schärfe und Kompromisslosigkeit geliebt, bald lädt man Xane zu Talkshows ein.

In Wien bezieht Xane Quartier in einem feudalen Mietshaus. Der spießige Vermieter Tschoch gibt argwöhnisch Acht, ob die Mietparteien seinen ehernen Hausregeln folgen. In seiner Freizeit züchtet er auf dem Dachboden Frettchen, gelegentlich beobachtet er die Mieter heimlich vom Dachbodenfenster aus. Mittels einer Spiegelscherbe erblickt er den nackten Busen des Fräuleins Molin, die sich schamlos auf dem – eigentlich uneinsehbaren – Küchenbalkon sonnt.

Xane zieht nach Berlin und lernt dort Professor Moritz Braun kennen. Die beiden heiraten und beziehen eine großzügige Wohnung, die ausreichend Platz bietet für gelegentliche Besuche von Moritz Töchtern aus erster Ehe. Xane führt erfolgreich ihre eigene Firma und ist in der Berliner Kunstszene bestens vernetzt.

Wien, Jugendstilhaus
Der Vermieter Tschoch spät Xane heimlich aus

Bei einer Vernissage trifft Xane auf Sally, die jüngere Schwester ihrer ehemaligen Schulfreundin Judith.

Sally ist Sängerin, sie hat ein kleine Tochter und schlägt sich mehr schlecht als recht durchs Leben. Nachts jobbt sie in Bars und hilft als Servierkraft bei einem Catering-Unternehmen aus. Wenn das Geld nicht mehr für einen Babysitter reicht, versetzt sie ihre Tochter abends mit Diazepam in den Tiefschlaf.

Xane ist begeistert eine Bekannte aus Wiener Tagen in der Nähe zu wissen und freundet sich überschwänglich mit der unkonventionellen Sally an. Diese scheint in Xanes Rampenlicht aus ihrer Schattenwelt zu entkommen, doch dann entgleitet Xane in eine tiefe Depression …

Zwischen Selbstbewusstsein und Egoismus

Berlin
Berlin wird Xane zur neuen Heimat

In dreizehn Kapiteln beleuchtet Eva Menasse das Leben der Xane Molin in Momentaufnahmen. Sie zeigt eine Frau, die ihre Wege selbstbestimmt geht und leidenschaftlich eigene Ziele verfolgt. Xane setzt ihre Intelligenz und ihren Charme zielsicher ein, sie kann hart in der Sache verhandeln und auch unbequeme Entscheidungen treffen. Mit ihrer lebendigen Art und dem attraktiven Äußeren zieht sie Menschen schnell in ihren Bann.

Die Autorin zeigt ihre Protagonistin als Schülerin und Studentin, als Geliebte und Ehefrau, als Freundin und Chefin, als Mutter und Großmutter, als Mieterin und Patientin. Menschen, die ein Stück ihres Lebensweges mit Xane Molin teilten, berichten von gemeinsamen Erlebnissen.

Je nach Blickwinkel erscheint Xane dabei sympathisch, intelligent, beneidenswert, erfolgreich – oder auch berechnend, hartherzig und überambitioniert. In einem Kapitel kommt Xane auch selbst zu Wort und erzählt von einer Zeit, in der sie in ihrer prallen Lebensmitte steht.

Eva Menasse liest aus ihrem Roman

Eva Menasse ist ein überaus unterhaltsamer Roman gelungen, der die alltägliche Diskrepanz zwischen dem eigenen Empfinden und der Außenwahrnehmung thematisiert.

Mit feinem Humor zeichnet die Autorin das Bild der willensstarken und manchmal dickköpfigen Xane Molin. Ihre Sprache ist ausdrucksstark und geizt nicht mit Wiener oder Berliner Lokalkolorit.

Das Hörbuch wird abwechselnd von Peter Matic, Michael Rotschopf und Lena Stolze gelesen. Ein abwechslungsreicher Genuss, der durch den österreichischen Zungenschlag besonders authentisch wirkt.

Ob als Hörbuch oder zum Selberlesen: »Quasikristalle« ist ein faszinierendes Buch, das zeigt, wie eine Frau sich im Laufe ihres Lebens verändert, aber der Kern ihrer Persönlichkeit jeglichem Wandel trotzt.

Leichtfüßige Unterhaltung auf hohem Niveau, die mit etlichen Literaturpreisen ausgezeichnet wurde.

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