Stille

Luttach, Südtirol, Kirche
Cleaver mietet sich in Luttach ein

Nichts mehr sagen. Kein Telefon, keine SMS, keine Mails. Keine Verpflichtungen. Stille!

Der britische Fernsehjournalist Harold Cleaver ist auf dem Höhepunkt seiner Karriere, man spricht über sein schonungsloses Interview mit dem amerikanischen Präsidenten.

Da erscheint der Enthüllungsroman »Im Schatten des Allmächtigen«, in dem Cleavers Sohn Alex mit dem Vater gnadenlos abrechnet. Cleaver muss raus. Raus aus London, raus aus dem Rampenlicht, weg von seiner Lebensgefährtin Amanda. Sein Bedürfnis nach Stille ist übermächtig.

Südtirol, Berge
In den Bergen bezieht Cleaver ein abgeschiedenes Haus

Kurzentschlossen bucht er einen Flug nach Mailand und fährt von dort weiter nach Südtirol. Im Ahrntal macht er Halt und bezieht in Luttach ein Gästezimmer. Von dort aus sucht er weiter nach einer Unterkunft in den Bergen, einem Platz, an dem er für Gott und die Welt unerreichbar ist.

Mit Hilfe des umtriebigen Hermann findet Cleaver auf 2.000 Metern Höhe den einsam am Rande einer Schlucht gelegenen »Rosenkranzhof« und mietet sich dort für die Wintersaison ein.

Doch bald stellt Cleaver fest, dass die Stille kein Garant für Ruhe ist, denn die Stimmen im eigenen Kopf geben keine Ruhe …

Die Vergangenheit reist mit

Cleaver sucht die Stille und seinen Seelenfrieden

Tim Parks rechnet in diesem Roman mit dem Medienbetrieb und dessen unstillbarer Sucht nach Aufmerksamkeit ab. Dem hektischen Leben im Scheinwerferlicht stellt er die Abgeschiedenheit und Einsamkeit eines Südtirolers Bergdorfes entgegen. In Luttach gehen die Uhren langsamer als in London und der dort unbekannte Cleaver ist ein Gast wie jeder andere.

Cleaver ist der deutschen Sprache nicht mächtig, Blicke und Gesten müssen Worte ersetzen. Aus dem eloquenten Fernsehstar wird ein unbeholfener älterer Mann, dem der joviale Hermann aus der Patsche hilft. Radebrechend übersetzt Hermann zwischen dem Engländer und den Einwohnern.

Südtirol, Dolomiten
Die Schatten der Vergangenheit lassen Cleaver nicht los

Der Autor stellt den Beschreibungen der winterlichen Berglandschaft den inneren Monolog entgegen, in dem Cleaver mit sich selbst und seinem verkorksten Familienleben hart ins Gericht geht. Als Kunstgriff zitiert Parks Passagen aus dem Buch von Cleavers Sohn Alex, der den Vater darin gnadenlos vorführt und demontiert. Cleavers Entgegnungen würzt Parks mit einer ordentlichen Prise Sarkasmus und Selbstironie.

Das Hörbuch wird von Axel Milberg gelesen, der sowohl Cleavers britischen Akzent als auch den Südtiroler Zungenschlag authentisch und abwechslungsreich interpretiert. Der großspurige Hermann und sein Aufmerksamkeit heischender Ruf »Engländer!« bleiben, Milberg sei Dank, unvergesslich.

Ein unterhaltsamer Roman, der in die tief verschneiten Dolomiten entführt.

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