Das Geheimnis des Totenwaldes

Im Dezember erzählt eine neue Serie von einem über Jahrzehnte ungelösten Kriminalfall. Die Geschichte basiert auf wahren Ereignissen, die im Sommer 1989 begannen.

Hinter dem etwas reißerischen Titel »Das Geheimnis des Totenwaldes« verbirgt sich ein dichtes Drama, das auch zu einer Zeitreise durch die letzten Jahrzehnte wird. Die Achtziger zeigen sich hier als Jahrzehnt fluffiger Dauerwellen und Herren-Fönfrisuren, inflationärer Schnurrbärte und beiläufigem Machismo. Eine Epoche, in der »Fräulein« noch eine selbstverständliche Anrede für eine junge Kommissarin war.


Sommer 1989. Zwei Doppelmorde versetzen die Bevölkerung von Weesenburg in Aufruhr. Im nahe gelegenen Iseforst hat man ein ermordetes Ehepaar gefunden, kurz darauf wurde ein Liebespaar aus nächster Nähe erschossen.

Anne auf Spurensuche im Iseforst / © NDR/ConradFilm, Bavaria Fiction 2020/Christiane Pausch

Die junge Kommissarin Anne Bach nimmt die Ermittlungen auf, hat es aber schwer, sich gegen das Macho-Gehabe ihrer Kollegen durchzusetzen.

Anne Bach ist getrieben von dem Wunsch, gute kriminalistische Arbeit zu leisten. Von ihren männlichen Kollegen wird sie allerdings nicht ernst genommen und permanent ausgebremst ... Die 80er und 90er Jahre waren noch viel stärker von patriarchalen Strukturen geprägt, nicht nur bei einer Institution wie der Polizei.
KAROLINE SCHUCH über Anne Bach

Zur gleichen Zeit befördert man den Polizeibeamten Thomas Bethge zum Chef des Hamburger LKA, doch die Freude wird von familiären Problemen überschattet. Barbara, seine in Weesenburg lebende Schwester, leidet sehr unter der Trennung von ihrem Mann Robert.

Robert Neder will die Scheidung / © NDR/ConradFilm, Bavaria Fiction 2020/Christiane Pausch

Der erfolgreiche Unternehmer hat längst eine neue Frau an seiner Seite, immer wieder gibt es heftigen Streit. Barbara verweigert Robert die Scheidung, ertränkt ihren Kummer in Alkohol und bürdet der heranwachsenden Tochter ihren Liebeskummer auf.

Robert Neder ... hat Schuldgefühle, weil er diese Frau verlassen hat ... Diese Trennung und die neue Beziehung zu seiner Mitarbeiterin machen ihn für die Ermittler verdächtig. ... Bei Neder geht dieser Alptraum nie vorbei.
NICHOLAS OFCZAREK über Robert Neder

Thomas Bethge und seine Frau Marianne laden Barbara zu sich ein, um sie abzulenken und aufzubauen. Nach einem Kurzurlaub mit Marianne scheint Barbara aufzublühen, sie geht auf Partys und feiert ihren Neuanfang. Doch nach einem Treffen mit ihrem Noch-Ehemann Robert verschwindet sie spurlos.

Thomas Bethge gibt nicht auf / © NDR/ConradFilm, Bavaria Fiction 2020/SOAP IMAGES

Die Familie ist in höchster Sorge, Robert Bethge schaltet sich in die Ermittlungen ein. Damit brüskiert er die niedersächsische Polizei, die sich die Einmischung eines Hamburger Beamten verbittet …

Im Kern hat mich interessiert, wie jemand ... der einerseits eine herausgehobene Position bekleidet, in seiner Arbeit extrem erfolgreich ist und andererseits Opfer eines Verbrechens wird, zumindest mittelbar als Angehöriger, ... dagegen genauso machtlos ist wie jeder andere Mensch auch.
MATTHIAS BRANDT über Thomas Bethge

Die Serie basiert auf den Morden, die 1989 im niedersächsischen Staatsforst Göhrde verübt wurden, als Schauplätze dienen die fiktiven Orte Weesenburg und das »Iseforst« genannte Waldstück. Zu den Drehorten gehören Hamburg und Umgebung, sowie Quickborn und Großhansdorf in Schleswig-Holstein.

Im Zentrum der Verfilmung steht das Leid der Angehörigen, die jahrelang mit quälender Ungewissheit lebten, zum Teil verdächtigt wurden oder an den Folgen der Tat innerlich zerbrachen. Damit erinnert sie an herausragende europäische Produktionen, wie die britische Serie »A Confession« (die ebenfalls auf einem wahren Fall beruht), »Broadchurch«, »The Missing« oder das skandinavische »Lifjord«.

Eine außergewöhnlich gute Inszenierung, die ohne grelle Effekte auskommt und es in puncto Düsterheit mit großen Vorbildern wie »True Detective« oder »Mörderland« aufnehmen kann. Eines der Serien-Highlights des Jahres, auch dank des stark aufspielenden Ensembles: Matthias Brandt (Transit) spielt LKA-Chef Bethge, Silke Bodenbender dessen Schwester Barbara, Nicholas Ofczarek (Der Pass) deren Ehemann Robert sowie Karoline Schuch (Unter der Haut) die junge Kommissarin Anne Bach.


Sendetermine Das Erste

2., 5. und 9. Dezember 2020, 20:15 Uhr
am 9. Dezember, 21:45 Uhr : Dokumentation »Eiskalte Spur« über den zugrunde liegenden wahren Fall

online ab 25. November 2020