The Handmaid’s Tale – Der Report der Magd

BuchcoverAuf dem Gebiet der ehemaligen USA haben christliche Fundamentalisten den totalitären Staat Gilead gegründet. Dort regieren die »Söhne Jakobs« einen Gottesstaat, der alle Frauen versklavt.

Frauen ist es verboten zu arbeiten, Geld zu besitzen, zu lesen oder sich anderweitig zu bilden. Einzig die Ehefrauen der Führungsclique führen ein privilegiertes Leben, als Zierde der »Kommandanten«.

Das Wohnzimmer ist kultiviert, symmetrisch; es ist eine der Formen die Geld annimmt, wenn es erstarrt. Geld ist jahrelang durch dieses Zimmer geflossen, wie durch eine unterirdische Höhle.
MARGARET ATWOOD - Der Report der Magd

Als Folge massiver Umweltvergiftung ist die Geburtenrate stark gesunken, junge fruchtbare Frauen werden deshalb als Leihmütter versklavt. Als »Magd« müssen sie im Haushalt der Kommandanten leben und dienen.

Szenenbild - The Handmaid's TaleMonat für Monat vollzieht sich das gleiche perverse Ritual: Der Kommandant vergewaltigt die Magd, während seine Ehefrau dabei assistiert. Sie rechtfertigen ihr Tun mit der biblischen Geschichte von Rahel und Jakob.

Als Rahel sah, dass sie Jakob keine Kinder gebar, wurde sie eifersüchtig auf ihre Schwester. Sie sagte zu Jakob: Verschaff mir Söhne! ... Da ist meine Magd Bilha. Geh zu ihr! Sie soll auf meine Knie gebären, dann komme auch ich durch sie zu Kindern.
BIBEL, DAS BUCH GENESIS (Kapitel 30,1 - 30,3)

In einem Umerziehungslager bereitet »Tante Lydia« die zukünftigen Mägde auf ihre Aufgabe vor. Unter ihnen sind auch die Freundinnen Moira und June.

Szenenbild - The Handmaid's TaleMoira versucht zu fliehen, June wird dem Haushalt des mächtigen Kommandanten Fred Waterford zugeteilt. Damit geht sie in seinen Besitz über und trägt zum Zeichen den Namen »Desfred« …

Mein Name ist nicht Desfred, ich habe einen anderen Namen, den jetzt keiner mehr gebraucht, weil es verboten ist. ... Ich betrachte die Erinnerung an diesen Namen wie ... einen Schatz, den ich eines Tages zurückbekommen werde.
MARGARET ATWOOD - Der Report der Magd

Flammendes Plädoyer für Frauenrechte

Der Roman »Der Report der Magd« erschien bereits 1985 und zeichnet das Bild einer menschen- und frauenverachtenden Gesellschaft, die ihr totalitäres Denken religiös verbrämt.

Szenenbild - The Handmaid's TaleVor dem Hintergrund einer vorangegangenen Umweltkatastrophe schließt der Kampf um Ressourcen auch die Fruchtbarkeit mit ein.

Ich bin dreiundreißig Jahre alt. Ich habe braunes Haar. Ich bin eins siebzig groß, ohne Schuhe. ... Ich habe funktionsfähige Eierstöcke. Ich habe noch eine Chance.
MARGARET ATWOOD - Der Report der Magd

Margaret Atwood sagte einmal, dass alles, was in dem Roman vorkommt, sich bis 1985 bereits irgendwo auf der Welt ereignet hat. Ihre Dystopie erinnert an das dunkle Kapitel der amerikanischen Sklaverei, an die Lebensborn-Idelogie der Nazis und an fundamentalistische Regimes wie die Taliban, die Frauen alle Rechte nahmen (der Roman »Tausend strahlende Sonnen« erzählt davon).

Verfilmt wurde der Roman erstmal 1990 (Die Geschichte der Dienerin), in 2017 erschien die erste Staffel von »The Handmaid’s Tale«. Die Serie besticht mit einer überwältigenden Bildsprache und wurde ausgesprochen werkgetreu umgesetzt. Wem der Roman gefiel, den wird auch die Serie faszinieren – ein Kunststück, das nur selten gelingt.

Ab der zweiten Staffel betritt die Serie Neuland und entwickelt den Plot des Romans intelligent weiter. »The Handmaid’s Tale« wurde mit Preisen überhäuft und gilt zu Recht als eine der besten Serien der letzten Jahre, sie ist brandaktuell, perfekt ausgestattet und hervorragend besetzt.

Im Ensemble beeindrucken besonders Elisabeth Moss (Top of the Lake, The Square) als June, Joseph Fiennes als Kommandant Waterford und Ann Dowd (Quarry) als Tante Lydia.

Atwoods Folgeroman »Die Zeuginnen« greift die ab Staffel 2 entwickelten Charaktere auf und ergänzt die Serie um einen Erzählstrang über »Tante Lydia«, die das perfide Regime vom Opfer zur Täterin machte. Beide Romane sind auch als Hörbuch erschienen, Vera Teltz liest wunderbar und trifft stets den richtigen Ton.

Szenenbild - The Handmaid's Tale»Der Report der Magd« ist ein großer, zeitloser Roman und eine brillante Serie. Feministisch, politisch und sehr spannend. Manche Szenen scheinen fast unerträglich, aber es lohnt sich, sie auszuhalten. »The Handmaid’s Tale« ist ein Gesamtkunstwerk und ein flammendes Plädoyer für Frauen- und Bürgerrechte.

Ich bin hungrig auf Nachrichten. Jede Art von Nachrichten. Selbst wenn es gefälschte Nachrichten sind, müssen sie etwas bedeuten.
MARGARET ATWOOD - Der Report der Magd

Gedreht wurde die Serie in Kanada, in Toronto und Hamilton, Cambridge und Oshawa. Zu den eindrucksvollsten Drehorten gehören die Anwesen der Kommandenten: das Waterford House in Hamilton und das Putnam House in North York. Im Hotel Fairmont Royal in Toronto wurde der Empfang Gileads zu Ehren der mexikanischen Delegation gedreht. Viele Straßenszenen zeigen viktorianische Backsteinhäuser, sie wurden in Cambridge im Stadtteil Galt gedreht. Im dortigen Mill Race Park befindet sich auch das Flussufer an dem Desfred und Desglen oft gemeinsam spazieren gehen.

Preisinfo amazon.de: Stand 28.03.2020 21:57 MEZ (Details)
Margaret AtwoodDer Report der Magd Helga Pfetsch Piper 2017
The Handmaid's TaleMagenta TV / MGM© 2018 MGM Television Entertainment Inc. and Relentless Productions, LLC.
Margaret AtwoodDer Report der MagdVera Teltz, Charles Rettinghaus Hörbuch Hamburg 2017
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