Fünfers Schatten

Porquerolles
Maxim Diehl reist auf die Insel Porquerolles

Maxim Diehl reist nach Südfrankreich, auf die beschauliche Mittelmeerinsel Porquerolles. Dort will er seine Autobiografie schreiben und hofft mit sich ins Reine zu kommen.

Er mietet sich in der Pension »Les Tamaris« ein und macht sich an die Arbeit. Am Schreibtisch lässt er sein bisheriges Leben Revue passieren, doch immer wieder stockt er, die Worte wollen nicht fließen.

Da begegnet Diehl dem fast doppelt so alten Amerikaner Jack Quintin, der auf einer Hotelterrasse seinen allabendlichen Cognac trinkt und mit sich und der Welt im Reinen scheint.

Porquerolles
Quintin und Diehl streifen gemeinsam über die Insel

Die beiden Männer kommen ins Gespräch, erkunden die Insel bald gemeinsam und lassen die Tage mit einem Absacker ausklingen. Quintin erzählt Diehl von seiner Liebe zu Paula, die er im kriegsversehrten Europa traf, und von seiner damaligen Mission, der »Reeducation« von Nazideutschen. Diehl ist fasziniert von Quintins Lebensgeschichte und beschließt, über den Amerikaner zu schreiben.

Doch dann taucht Diehls Ehefrau Bettina auf, im Schlepptau den gemeinsamen Sohn Jan, und macht seine Pläne zunichte …

Rückschau aufs Leben

Porquerolles
Der paradiesische Strand »Plage d’argent« ist menschenleer

Die aus der Zeit gefallene Schönheit der Insel Porquerolles bildet die Kulisse für zwei fiktive Biografien, die von unruhigen Zeiten erzählen.

Da ist zum einen die Geschichte des Dramaturgen Maxim Diehl, Sohn eines deutsch-französischen Exilanten-Paares, das im schweizerischen Wettingen eine neue Heimat fand. Als junger Erwachsener zieht Maxim Diehl nach Zürich, lebt in einer Kommune und gerät in die Zürcher Opernhauskrawalle der Achtzigerjahre. Seine ersten Erfolge feiert er in Hamburg, wo er ein Kind zeugt und seine unglückliche Ehefrau Bettina bald wieder verlässt.

Und da sind zum anderen die Gespräche mit Jack Quintin, die Diehl von den Schreibblockaden und seinem verkorksten Privatleben ablenken. Allzugern lässt sich der Schriftsteller in die deutschen Nachkriegsjahre entführen und entdeckt in Quintins Biografie Parallelen zum verschlungenen Lebensweg seiner Eltern.

Zürich, Opernhaus
Die Zürcher Oper wird zum Schauplatz von Krawallen

Der in Zürich geborene Daniel Goetsch zeichnet ein lebendiges Bild seiner Heimatstadt in den Achtzigerjahren, als die Jugendkrawalle die Stadt erschütterten und die Kunstszene neue Ausdrucksformen suchte. Ähnlich wie Stephan Thomes »Fliehkräfte« ist auch »Fünfers Schatten« im kräftezehrenden Theatermilieu angesiedelt, Maxim Diehl zelebriert genüßlich die eigene Kreativität und nutzt seine Weggefährten achselzuckend aus.

Den bisweilen grau verhangenen biografischen Episoden stellt der Autor den südlichen Charme seines Schauplatzes entgegen: Die Insel Porquerolles, mediterranes Naturschutzgebiet ohne Massentourismus, ein autofreies Idyll, welche die frühere Schönheit der Côte d’Azur bewahren konnte. Goetsch fängt die beschauliche Stimmung des winzigen Inselortes abseits der Hauptsaison ein, die wenigen Einwohner sind unter sich, spielen Boule auf dem sandigen Dorfplatz und der Mistral fegt pfeifend über Dächer und Pfade.

Porquerolles, Place des Armes
Auf dem »Place des Armes« herrscht himmlische Ruhe

Gelegentlich streut der Autor Anspielungen auf den berühmtesten Inselgast ein, George Simenon, der auf Porquerolles ein Haus mietete und dort viele seiner Romane schrieb. Die Mittelmeerinsel war für den Schriftsteller ein Sehnsuchtsort aus steilen Klippen, verträumten Sandstränden und würzig duftenden Pinienwäldern. Goetsch borgt sich auch den Namen von Simenons Haus und quartiert seine Hauptfigur Maxim Diehl in der fiktiven Pension »Les Tamaris« ein.

Ein bisweilen etwas schwermütiger Roman, der dem Hadern seiner Figuren die gelassene Inselstimmung entgegensetzt.

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