
Ost-Berlin, Sommer 1960. Georg malocht auf dem Bau, da trifft überraschend eine Studienzusage für ihn ein. An der Uni begeistert er sich für Kybernetik, mit seinen Kommilitonen Roland und Marlies will er die starre Planwirtschaft reformieren.
Doch der Staat reagiert mit Denkverboten.
Roland setzt sich daraufhin in den Westen ab, Marlies und Georg geraten ins Visier der Stasi. Für Marlies ist es das Ende ihrer akademischen Laufbahn, sie arbeitet fortan in der Produktion. Georg schließt man in seiner Anstellung von verantwortungsvollen Aufgaben aus.
Nach dem Ende des Prager Frühlings zieht Georg sich ins Private zurück. An einem Badesee im Brandenburger Wald zimmert Georg einen Bungalow für seine Frau Helga und den gemeinsamen Sohn. Doch Helga will mehr vom Leben als Arbeit, Haushalt und Familie.
Bald begegnet Georg der Malerin Mona, unweit der Datschen lebt sie mit einer Gruppe Freigeister in einem abbruchreifen Haus.
Für Mona und Georg wird der See ein Rückzugsort. Inmitten politischer Repression, wirtschaftlichen Mängeln und privater Krisen versuchen beide ihr Leben auszubalancieren …
Neu denken und Weitermachen
Peggy Mädler spannt einen weiten Bogen, der vom real existierenden Sozialismus über die Wende bis in die jüngste Gegenwart reicht. Im Zentrum der Geschichte stehen Lebensläufe, die von Brüchen, Umwegen und geplatzten Träumen gezeichnet sind.
Der Roman bleibt nah an den Menschen, erzählt aus verschiedenen Innenperspektiven von Sehnsüchten, Nöten und Träumen der Figuren. Die Kybernetik dient dabei auch als Metapher für ihre Anpassungsfähigkeit: nach Erschütterungen und Verlusten streben sie erneut nach seelischer und wirtschaftlicher Stabilität.
Eine berührende, unsentimentale und gleichwohl packende Chronik über die Kunst des Überleben und Weitermachen – die in ihrer unaufgeregten Sprache und präzisen Beobachtung auch an Annett Gröschners famoses Zeitenporträt »Schwebende Lasten« erinnert.
Als Inspiration für die Datschensiedlung diente dieWaldsiedlung Wandlitz. Die Entstehung der streng abgeschirmten Siedlung für Funktionäre des SED-Politbüros wird im Roman aufgegriffen und verdeutlicht die zunehmende Entfremdung zwischen Regime und Bürgern.
