Jedza wächst in den 80er-Jahren in Simbabwe auf, in einem Kaff namens Miner’s Drift. Seine Eltern sind streng und katholisch, die Mutter prügelt ihn mit dem Gürtel. Oft flüchtet sich Jedza zu seiner älteren Schwester Natsai, die glaubt, von einem Wassergeist gezeichnet worden zu sein.
Jedza ist sieben Jahre alt, als er mit ansehen muss, wie sein bester Freund bei einem Fahrradunfall auf den Bahngleisen stirbt. Fortan sieht auch er sich von Geistern verfolgt.
Als junger Erwachsener verlässt er Miner’s Drift und landet in Chenga Ose, einem verwahrlosten Vorort von Harare. Dort fluten Abwässer die Straßen und die Menschen leben von der Hand in den Mund.
Mit seiner unbekümmerten Art findet er schnell Kontakt und schlägt sich durch, bis er es mit Hilfe seiner Schulfreundin Loveness in die »Avenues« schafft. Hier will er nach seiner verschwundenen Schwester Natsai suchen, und hier will er den Aufstieg schaffen.
Doch das einst reiche Viertel Harares hält nicht, was sein Ruf verspricht. Heruntergerockte Wohnungen, Stromausfälle, illegale Deals und Prostitution prägen den Alltag …
Zwischen Sehnsucht und Wahnsinn
Farai Mudzingwa erzählt vom Leben in Simbabwe in einem kraftvollen Mix aus kühlem Sozialreport, warmen Kindheitsszenen, fantastischen Abstechern in die Welt der Wasserwesen und Geister – gewürzt mit sarkastischen Fußnoten zur Geschichte des Landes und der politischen Lage.
Die Avenues sind bei Mudzingwa mehr als nur Straßen, sie sind ein lauter und chaotischer Kosmos, ein Labyrinth aus Sehnsucht und realem Wahnsinn. Und so sind die Geister auch keine Folklore, sondern Ausdruck eines kollektiven Traumas.
Der Roman erfordert Aufmerksamkeit und Geduld, nicht alle kulturellen Anspielungen erschließen sich sofort. Aber was sich schnell eingeprägt, ist die irrlichternde Atmosphäre und ein pulsierender Sound (fabelhaft übersetzt von Jan Schönherr). Es ist der Sound einer jungen urbanen Generation, die inmitten von Korruption und Disfunktionalität an die Utopie eines besseren Lebens glaubt.
