Die Wand

Szenenfoto - Die Wand
Die Frau freundet sich mit dem Jagdhund an / © Studiocanal

Eine Frau reist mit ihrer Cousine und deren Ehemann für ein Wochenende in die Berge. Die drei übernachten in einer einsam gelegenen Jagdhütte, das Paar spaziert abends ins Tal um eine Gaststätte aufzusuchen.

Am nächsten Morgen vermisst die Frau ihre Begleiter. Sie macht sich in Begleitung eines Jagdhundes auf den Weg und hält Ausschau nach der verschwunden Cousine und ihrem Mann. Am Ausgang einer Schlucht stößt sie auf eine unsichtbare Wand.

Szenenfoto - Die Wand
Die Wand riegelt das Tal ab / © Studiocanal

Der Hund stößt sich an dieser Barriere die Schnauze blutig, sie selbst erblickt einen Mann im Tal, der in einer seltsamen Pose verharrt. Mit der hohlen Hand scheint er Wasser aus einem Brunnen zu schöpfen, aber die Bewegung bleibt eingefroren, der Mann regungslos.

Alle Versuche der Frau, die Wand zu durchbrechen, scheitern. Die Verwandten kehren nicht in die Hütte zurück.

Ein großes Unglück scheint das Leben ringsum angehalten zu haben, aber die Erzählerin und der Hund bleiben wie unter einer Glasglocke von der Katastrophe verschont.

Szenenfoto - Die Wand
Katze Perle ist zart und schutzbedürftig / © Studiocanal

Die Frau richtet sich in der Hütte ein und wartet zunächst auf Rettung. Als diese ausbleibt, prüft sie ihren Bewegungsspielraum. Sie erkundet die unsichtbare Grenze und stellt fest, dass sie über ein großes Revier verfügt. Sie fängt an es zu bewirtschaften, um in der Isolation zu überleben.

Ein Katze läuft ihr zu, die ein schneeweißes Junges gebiert. Später gesellt sich eine trächtige Kuh dazu. Von den Menschen und der Zivilisation getrennt sorgt die Frau für sich und ihre Tiere, die nach und nach zu ihren Gefährten werden.

Sie beginnt Tagebuch zu schreiben und Zeugnis abzulegen. Sie erzählt von ihrem Leben hinter der Wand, ohne zu wissen, ob es andere Überlebende gibt …

Überleben in vollkommener Isolation

Szenenfoto - Die Wand
Die Sommeralm ist ein Ort des stillen Glücks / © Studiocanal

Die Österreicherin Marlen Haushofer schrieb diesen Roman zu Beginn der Sechzigerjahre, die Erstausgabe erschien 1963. Für die Beschreibung der Jagdhütte diente ihr die Lackenhütte bei Ramsau (Molln) als Vorbild, die Sommeralm ist der nahe gelegenen Haidenalm nachempfunden.

Der Roman lässt viel Spielraum für Interpretationen, er kann als Zivilisationskritik oder als Kritik am Patriarchat gelesen werden und trägt die Züge einer modernen Robinsonade.

Mit einem ganz eigenen, ebenso nüchternen wie zeitlosen Stil beschreibt die Autorin den Kampf ihrer Protagonistin ums nackte Überleben. Es ist der Bericht einer durch unsichtbare Mächte gefangenen Frau, welche die Einsamkeit erträgt und auf sich allein gestellt ihren Platz in der Natur behauptet.

Trailer

Der kraftvolle Roman galt lange Zeit als unverfilmbar, bis sich Regisseur Julian Pölsler gemeinsam mit der Schauspielerin Martina Gedeck an das Projekt wagte. Der Film wurde in der Nähe von Gosau gedreht, der gleichnamige See und die höher gelegenen Almen dienten als malerische Kulisse.

Bildgewaltig setzte Pölsler das innere Drama um, hielt sich eng an die Romanvorlage und verzichtete auf Ausschmückungen.

Martina Gedeck (Nachtzug nach Lissabon) zeigt ihr großes Können, als Solistin trägt sie den gesamten Film, der ohne Dialoge auskommt. Sie kommentiert aus dem Off als Erzählerin und zeigt die Wandlung der Protagonistin mit fein nuancierter Mimik. Mal verletzlich, mal kraftvoll, mal verzweifelt, mal gelassen.

Trotz weniger äußerer Ereignisse ist die Erzählung spannend, Film und Buch fesseln auf eine stille, unvergleichliche Art. Große Literatur, großes Kino.

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